Finale 2014!

Bericht & Bilder: Raphael Zurfluh

 

Dicker Bodennebel streicht um die Häuser, die Jacke habe ich bis zum Kinn hochgezogen. Das Autothermometer zeigt kühle 9°C. Ja, der Herbst ist definitiv angekommen in den Bergen. Ich bin auf dem Weg zum letzten Trip dieser Saison, denn es ist bereits Ende September. Ich steure ein Gewässer mit einem guten Bachsaibling-Bestand an. Die Fische sind in der Vorbereitung auf die Laichzeit und erfahrungsgemäss jetzt besonders schön gezeichnet.

Je länger die Fahrt dauert, desto mehr lichtet sich der Nebel - bis er schliesslich als graues Nebelmeer unter mir liegt. Es ist auf einen Schlag 7°C wärmer, die Laubbäume leuchten in allen Farben. Mein Herz lacht.

Nach kurzem Marsch liegt der See vor mir. Die spiegelglatte Wasseroberfläche wird von Zeit zu Zeit von Ringen durchbrochen. Es scheint, als hätte ich mir den richtigen Tag ausgesucht, denn ausser mir ist kein Mensch weit und breit zu entdecken.

Die nächsten Stunden kann ich in vollen Zügen geniessen. Ich fange Bachsaibling und Bachforellen bis an die 30cm auf Trockenfliege. Die Fische sind wie erwartet sensationell schön gefärbt.

Das Gras verfärbt sich herbstlich, im Hintergrund zwei Saiblinge auf ihrer Laichgrube
Das Gras verfärbt sich herbstlich, im Hintergrund zwei Saiblinge auf ihrer Laichgrube

 

 

Nach der Mittagspause beobachte ich das Treiben der Fische. Sie haben sich teilweise bereits zu grösseren Gruppen von 5-20 Tieren zusammengetan. Diese Fische kann ich auch nicht fangen, denn sie haben nur noch das eine im Kopf...

Beim Seeeinlauf entdecke ich zwei Bachsaiblinge, welche bereits eine beachtliche Laichgrube ausgeschlagen haben und wild darauf hin und her tanzen. Ich schleiche mich bis auf zwei Meter heran, doch sie lassen sich nicht stören.

Ich geniesse die letzten Sonnenstrahlen des Tages und lasse dabei meine Saison revuepassieren. Alles in allem bin ich sehr zufrieden damit. Ich durfte tolle Momente mit schönen Fischen erleben. Besonders in Erinnerung ist mir die grosse Namaycush-Forelle geblieben: Der Drill war einfach Klasse, der Fisch eine Liga für sich! Leider warte ich noch auf die erste Seeforelle in der Maifliegenzeit, welche ich aber nächstes Jahr stärker anvisieren möchte. Auch die Hechtfischerei kam etwas zu kurz, doch mit Ausbildung und und und lag einfach nicht mehr drin.

 

Langsam legt sich der Schatten über das Tal und ich mache mich auf den Heimweg. Schön wars, und bis zum nächsten Jahr!! Only 196 days to go... ;)

Morgenstund hat Gold im Mund

Bericht & Bilder: Raphael Zurfluh

 

Für einmal Sonne und kein Regen, im Dienstplan eine Minilücke, meine Chance!

Frühmorgens stehe ich auf, ich wollte der Erste sein. Der Anmarsch war für einmal kurz und schmerzlos, ja ich kann ihn sogar geniessen. Die letzten Nebelschwaden streichen über die schroffen Felsen, der Tau lässt die Gräser weit in den Weg hängen, tief atme ich die kühle Bergluft ein, ein Traum!

 

Angetrieben von der Kraft dieser Atmosphäre erreichte ich mein Ziel. Der Nebel hängt tief und es herrscht absolute Windstille. Das Wasser im See präsentiert sich in tiefem Schwarz. Absolute Ruhe, keine Menschenseele weit und breit. Viel habe ich schon gehört von diesem See. Kanadische Seesaiblinge jenseits der 60cm sollen hier schon gesehen worden sein.

Vorsichtig wandere ich dem Seeufer entlang, den Blick dabei immer auf die Wasseroberfläche gerichtet. Ich erreiche mein Ziel, einen Stein im hinteren Bereich des Sees. Von hier habe ich den Überblick, hier entgeht mir kein Ring. Doch heute ist Geduld angesagt, keine Fischaktivität, keine Insekten. Dies erstaunt mich aber nicht, denn die Uhr zeigt 06.01 Uhr an. Ich mache es mir gemütlich, schenke die erste Tasse Kaffee ein und esse einen kleinen Happen. Die Rute liegt griffbereit, mit einer kleinen schwarzen CDC-Fliege ausgerüstet, neben mir. Die ersten Sonnenstrahlen wärmen mein Gesicht. Es wîrd schnell wärmer, vereinzelt steigen die ersten Insekten in die Luft. Doch das Wasser bleibt ruhig, fast zu ruhig. Wo sind sie, die Kanadier?

 

Ich entschliesse mich, meinen Stein zu verlassen und die Fische zu suchen. Ich gehe einige Meter nach links und plötzlich das Geräusch, worauf ich gewartet habe. Ich sehe nur noch die Schwanzflosse im Ring verschwinden, ein guter Fisch! Ich pirsche mich kriechend zum nächsten Stein, jetzt kann ich von oben ins Wasser sehen. Ungläubig sehe ich ein zweites Mal hin und kann es immernoch nicht glauben. In einer Tiefe von etwa 2m schwimmen 3-5 Namaycush nervös über dem Grund hin und her. Immer wieder blitzt ihr Maul weiss auf. Bei genauem Hinsehen entdecke ich auf der Wasseroberfläche winzig kleine Fliegen, und das in Massen. !SCHLUPF! schiesst es mir durch den Kopf und noch nie in meiner Fliegenfischerkarriere habe ich so schnell eine Nymphe angebunden.

Die Fische allerdings ignorieren sie. Schnell merke ich, dass sie einfach zu gross ist, Hakengrösse #22 wohlbemerkt. Unter Zeitdruck beginne ich zu modifizieren, keiner weiss wie lange diese wahnsinns Phase noch andauert: Schwänzchen weg, Hechel kürzen, Goldköpfchen dunkel anmalen, zurück ins Wasser! Langsam taumelt die Nymphe dem Grund entgegen, doch genau jetzt schiebt sich ein kleines Nebelband vor die Sonne, wo ist die Nymphe!?! Ein kleiner Ruck im Vorfach, Anschlag, scheisse!! Es ging mir einfach zu schnell, doch angetrieben durch den anhaltenden Fressrausch der Fische knüpfe ich neu. Die Nymphe wurde akzeptiert, also gleiches Prozedere von neuem. Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit bis zum nächsten Wurf, doch der sollte endlich klappen. Die Rute ist krumm, die Bremse heult auf. Yesss!! Nach etlichen bangen Fluchten durfte ich den geschätzt 40cm langen Kämpfer landen, was für eine Schönheit! Ein Juchz der Freude durchbrach die Stille, ich bin überwältigt.

So plötzlich wie sie kamen, verschwinden sie auch wieder. Zu  hoch steht die Sonne schon, die Insekten sind geschlüpft. Die Uhr zeigt 08.31 und eigentlich bin ich schon zufrieden. Ich fange noch einige kleine Regenbogenforellen auf Trockenfliege. Noch vor dem Mittag mache ich mich auf den Heimweg, im Gedanken immer noch im Drill mit dem Saibling.

Nervensache

Bericht & Bilder: Raphael Zurfluh

 

Es ist Freitagmorgen, kurz vor 8.00 Uhr. Ungläubig schaue ich aus dem Fenster und betrachte das Wetter: Wo sind die vorhergesagten Wolken, wo der Regen, die Bise? Kurzfristig entscheide ich mich für einen Kurztrip, keine Ahnung wie lange das Wetter sich noch so hält. Im Schnellverfahren binde ich noch 2-3 Rehhaarfliegen.

 

Ich kämpfe mich durch den üppigen Uferbewuchs, die schönen Pools wollen verdient sein. Besser hätte ich die Rute erst am Wasser zusammengesteckt, das neue Vorfach hat schon ordentlich gelitten. Wie erwartet treffe ich einen tiefen Wasserstand an, doch was ist mit dem Wasser los? Es ist trüber als sonst um diese Jahreszeit und die Sonne lässt es ungewohnt grün aufleuchten. Fluch oder Segen, ich weiss es noch nicht.

Das Vorfach ist neu gemacht, die Fliege schnell angeknüpft. Erster Wurf...erster Biss.....erster Anschlag, daneben!....erster Hänger im Rückraum....erste Fluchwörter. Was für ein mieser Beginn, viel zu hektisch. Pause.

 

Ich gehe einige Meter stromaufwärts und entdecke einen Pool, der sich um einen grossen Felsen schlingt, vielleicht 20m lang. Von leicht oberhalbe erkenne ich verteilt grosse Steine, dahinter tiefe Löcher. Ab und zu entsteht ein Ring an der Oberfläche. Ich beobachte eine Weile und versuche es dieses Mal etwas ruhiger anzugehen. Die Strategie scheint aufzugehen, den nun weiss ich genau, hinter welchem Stein Fische steigen, wo eher grössere, wo die Kleinen.

Den grössten Fisch vermute ich am oberen Ende des Pools. Ich will aber nicht beim ersten Wurf schon alles überwerfen, daher entscheide ich mich für einen Fisch direkt beim Felsen. Das Wasser fliesst langsam, die Fische könnten heikel sein. Ich knüpfe eine Parachute-Fliege in Schwarz mit Sichthilfe #16 an. Der erste Wurf ist zu vorsichtig, zu kurz. Der zweite dafür umso besser, genau an die Strömungskante. Doch der gute Wurf nützt nichts, wenn ich nicht bei der Sache bin. Der Fisch steigt schnell, ich habe zu viel Schlapschnur draussen, wieder nichts. Ich rege mich zum x-ten Mal über mich selber auf. Zu allem Unheil ziehen in meinem Rücken dunkle Wolken auf, die angekündigte Front scheint doch noch zu kommen.

 

Im Gedanken ans Aufhören werde ich durch einen lauten Platscher unterbrochen. Wow, what a rise! Ich wage es gar nicht, den Fisch zu schätzen, zu gross wäre die Entäuschung wenn ich ihn wieder verliere. Ich reisse mich ein letztes Mal zusammen, kontrolliere Vorfach und Fliege. Jetzt oder nie! Ich mache einen Wurf auf der Sandbank neben dem Pool, die länge stimmt. Der Wurf passt, die Fliege landet, und..und sinkt.....neiiiiiin! In diesem Moment taucht sie wieder auf und mit ihr der Fisch. Biss, Anschlag, diesmal sitzt er!! Im ruhigen Wasser kann ich den Fisch optimal ausdrillen, schön hats doch noch geklappt.

 

Bereits spüre ich erste, grosse Regentropfen. Ein erstes Donnergrollen ist zu hören, schnell zum Auto. Ein spezieller Morgen: ungewohntes Wasser und ich mit einer Tagesform so schlecht wie schon lange nicht mehr. Aber toll wars, dank Happy End.

 

 

Kurztrip ins Paradies

Bericht & Bilder: Raphael Zurfluh

 

Unregelmässige Arbeitszeiten im Schichtbetrieb und dazu vielleicht ein oder zwei Wochenenden pro Monat frei: Was für viele ein Nachteil der Arbeit im Spital ist, schätze ich sehr und sehe es als positiven Punkt. So habe ich an Tagen frei, wo andere arbeiten und bin so in der Natur praktisch ungestört, ich habe die Bäche für mich.

 

Früh stehe ich auf und mache mich auf in die Berge. Das Wetter präsentiert sich von seiner besten Seite, der Wasserstand ist nahezu perfekt, was will man mehr? Die ersten Würfe heute bringen keinen Fisch, warscheindlich bin ich doch noch etwas zu früh dran. Mit den ersten Sonnenstrahlen kommen auch die Fluginsekten und damit auch die ersten Fische. Klein aber fein ist hier oben das Motto, denn der Winter ist lang und der Bach kaum an einer Stelle breiter als zwei Meter.

Langsam arbeite ich mich vor, Pool für Pool kann ich schöne Bachforellen auf die Trockene fangen. Immer wieder schweift mein Blick in die Landschaft, tief atme ich die frische Bergluft ein, halte inne und geniesse die Ruhe, das plätschern des Wassers. Einfach ein paradiesisches Fleckchen Erde! Kurz vor dem Mittag gelingt mir der schönste Fang des Tages, eine Bachforelle von knapp 30cm.

Das Klingeln des Handys verrät mir, dass ich doch nicht ganz im Paradies bin. Krankheitsbedingter Ausfall, ich sage dem Spätdienst zu. Gemütlich fische ich noch einige Stellen ab, bevor ich nach Hause der Arbeit entgegen fahre.