Unten grau, oben blau - end of season

Bericht & Bilder: Raphael Zurfluh

 

Yess! Was für ein Tag, was für ein Saisonabschluss!

 

Doch alles der Reihe nach: Langsam beginnt es Tag zu werden, als ich heute Morgen loslaufe. Mein Ziel: Ein Bergsee knapp an der 2100 M.ü.M. - Grenze. Der Wetterbericht sagte Hochnebel mit einer Obergrenze von rund 1800 M.ü.M. voraus, mit regionalen Unterschieden.

Es dauert dann auch nicht lange, bis ich im Nebel bin. Es wird schlagartig kühler und mucksmäuschenstill. Der Nebel schluckt jedes noch so kleine Geräusch. Nur der Wind pfeift mir um die Ohren und ab und zu ist eine Krähe zu hören. Eine seltsame und ungemütliche Stimmung, welche mit vorantreibt. Doch ich muss aufpassen, denn die Orientierung bei maximal 15 Meter Sicht ist nicht ganz einfach. Zudem hängt das Gras, vom Nebel nass getränkt, heimtückisch in den Weg. Ein Ausrutscher am falschen Ort wäre fatal...

 

Ich erreiche die 1800 M.ü.M. Doch statt der langsam ersehnte blaue Himmel tauchen Schneereste vom vergangenen Mittwoch auf. Diese sind jedoch (noch) sehr rar, ich kann ihnen gut ausweichen. Ich laufe nun schon fast 2 Stunden. Irgendwie weiss ich nicht, ob ich schwitzen oder frieren soll, die Bedingungen im Moment sind sehr garstig.

Doch jetzt endlich! Die Sonne, noch als weisse Scheibe oberhalb der letzten Nebelschwaden, beginnt zu wärmen. Und dann geht's plötzlich ganz schnell, bis ich schliesslich über dem Nebel bin. Der Anblick des blauen Himmels und der umliegenden verschneiten Berggipfeln kommt einer Erlösung gleich. Mein Herz lacht, was für eine tolle Landschaft!

Was dann folgt, ist ein wahrer Traum! Stahlblauer Himmel, herbstlich verfärbte Gräser, kleine Seen, Schneeflecken, Nebelmeer, - so viel Abwechslung in so kurzer Zeit, ich komme aus dem Schauen nicht mehr raus. Und noch immer keine Menschenseele weit und breit.

Vor lauter Staunen vergesse ich fast, dass ich eigentlich zum Fischen hier hoch gekommen bin. Die letzten Meter lege ich zügig zurück und schon liegt er vor mir. Glatt wie ein Spiegel und noch im Schatten verschmilzt er fast mit der Landschaft.

Am See angekommen entdecke ich bereits erste Ringe. Die schräg aufgehende Sonne lässt die Fische sehr leicht erkennen. Und was ich sehe lässt mein Fliegenfischerherz höher schlagen. Zwei beachtliche Forellen patroullieren knapp unter der Wasseroberfläche umher und sammeln die Insekten ein. Im 5-Sekunden-Rhythmus entsteht ein Ring.


Ich schätze die Situation heikel ein und verlängere darum mein Vorfach auf ca. 3.50m. An das Ende knüpfe ich eine kleine Parachute #16. Vorsichtig pirsche ich den Fischen nach, noch immer Fressen sie was das Zeug hält von der Oberfläche. Ich überhole die Fische langsam und Werfe meine Trockene in die Bahn der beiden. Kaum gelandet schiesst einer von ihnen auf meine Fliege los - und dreht im letzten Moment ab. Mein Anschlag ins Leere verscheucht den Fisch. Doch da ist ja noch eine weitere schöne Forelle knapp 3 Meter weiter draussen. Der Wurf ist wieder perfekt, die Fliege schwebt wie eine Schneeflocke auf die Wasseroberfläche. Die Forelle schwimmt ahnungslos drauf zu und nimmt sie direkt. Was für ein schöner Stieg: zuerst Kopf, dann Rückenflosse und am Schluss der Schwanz - und das in Zeitlupe. Mit dem Anschlag lasse ich mir Zeit - doch er sitzt und ein toller Drill beginnt. Nach kurzer Zeit kann ich eine kräftige Regenbogenforelle landen. Schön, so kann's weitergehen!

Die Zeit schreitet voran, ein paar wunderschöne Fische konnte ich bereits landen. Das Wetter stimmt nach wie vor: Die Sonne strahlt vom Himmel, es ist absolut windstill. Was will man mehr?

Just als ich ans Aufhören denke, hebt sich das Nebelmeer an und drückt in die kleine Mulde des Sees. Aus "Sicht: super!" wird "Sicht: gleich null!".

Das Saisonende ist also besiegelt. Doch was für ein fantastisches Ende es war! Im Aufstieg mystische Stimmung, dann grandiose Berglandschaft und Natur. Ein richtiger Herbsttag eben. Ich freue mich bereits jetzt auf die Bergseesaison 2016, mit hoffentlich genauso schönen Momenten wie heute.

Dry-Fly-Action vom Feinsten!

Bericht & Bilder: Raphael Zurfluh

 

Die heutige Geschichte ist schnell erzählt:

Aus Zeitmangel beschliesse ich an einen Bergsee zu gehen, an den ich sonst nie gehen würde. Von der Bahn aus ist er in kurzer Zeit erreichbar. Dies lockt viele Fischer und Wanderer an. Das total überfischte Gewässer entspricht überhaupt nicht dem, was ich mir unter der Fliegenfischerei in den Alpen vorstelle. Besetzt mit Bach- und Regenbogenforellen und einigen Namaycush hat es einen kunterbunten Fischbestand der mich bis anhin von See ferngehalten hat.

Doch heute bin ich alleine. Zwar ist es noch sehr früh am Morgen, die Stille an diesem sonst so überlaufenen Ort ist fast schon beängstigend. Wo sind sie, all die Gefriertruenfischer mit ihren Campingstühlen?


Meine Irritation wird durch ein massives Planschen unterbrochen. Ich traue meinen Augen kaum, und irgendwie will ich es auch nicht glauben. Etwas 8 Meter neben mir direkt am Ufer stieg ein Fisch den ich nicht schätzen wollte. Und das hier oben?

Schnell montiere ich eine kleine Trockenfliege und begebe mich auf einen Stein leicht oberhalb der Stelle. Fisch kann ich keinen ausmachen, trotzdem werfe ich die Fliege raus. Und was dann geschieht, hätte ich mir nie erträumen lassen. Ein Monstrum von einem Schatten löst sich vom Grund und steigt senkrecht an die Oberfläche. Die Fliege verschwindet in einem Schwall. Die Bremse surrt wie wild, der Fisch kämpft fabelhaft gut! Nach gefühlter Ewigkeit lande ich eine Bachforelle von nicht ganz 40 Zentimetern, was für ein Fisch!!

 

Kaum habe ich die Fliege getrocknet knallt's erneut neben mir. Was ist den hier los!? Wieder steige ich auf den Stein und entdecke ein Namaycush wie ich ihn noch nie so ufernah gesehen habe. Und der hat gerade von der Oberfläche gefressen!? Ich wage es kaum, die Fliege zu platzieren. Kaum gelandet startet der Fisch wie ein Torpedo und verschlingt meine Trockenfliege. Ich kriege zittrige Beine als ich den Widerstand spüre, bleibe aber ruhig. Und so gelingt mir der bisher grösste Fang einer Namaycush-Forelle auf Trockenfliege. Schöner Fisch!

 

Der Rest des Vormittags verlief wie erwartet: viele kleine Regenbogenforellen. Am Mittag breche ich die Übung ab und mache mich auf den Weg nach Hause und später zur Arbeit. Doch was für ein Vormittag, was für Fische!

Stimmung top, Fische...

Bericht & Bilder: Raphael Zurfluh

 

Noch im Dunkeln suche ich im Keller mein Fischerkram zusammen und verstaue ihn im Auto. Der Ausflug ist so ziemlich der spontanste, den ich in den letzten Jahren unternommen habe: Wachgehalten von der drückenden und schwülwarmen Hitze im Schlafzimmer stand ich auf und beschloss,  vor dem heutigen Spätdienst noch einen Bergsee zu besuchen. Einen Bergsee, den ich nicht wegen des Fischreichtums, sondern wegen seiner landschaftlichen Reizen sehr schätze.

 

Als ich aus dem Auto steige beginnt es hell zu werden. Am Anfang noch mit Stirnlampe marschiere ich los, spule Höhenmeter um Höhenmeter ab. Doch immer wieder schweift mein Blick  zu den Gipfeln an der gegenüberliegenden Talseite, wo es erste Sonnenstrahlen über den Horizont schaffen. Schnell bin ich oben am See. Wie ein Spiegel liegt er vor mir,

 

Die Zeit schreitet voran. Mittlerweile bin ich eine Stunde hier, da erreichen mich die ersten Sonnenstrahlen. Die bisher angenehme Kühle verzieht sich langsam. Doch mit der Sonne kommen meistens auch die Fische. Und so geht es nicht lange, da durchbrechen erste Ringe die Oberfläche. Ich wage ein paar erste Versuche, doch die immer noch spiegelglatte Wasseroberfläche macht die Fische misstrauisch und heikel. Dementsprechend wenige Fänge gelingen mir an diesem Morgen, bis um 10 Uhr sind es zwei Fische.

 

Nichts desto trotz war es ein Morgen wie aus dem Bilderbuch. Es ist schwierig, die tolle Stimmung zu beschreiben oder bildlich festzuhalten. Hier trotzdem ein paar Impressionen.

verhaltener Saisonstart

Bericht: Raphael Zurfluh

Bilder: Noel Schuler, Raphael Zurfluh

 

So, da sind wir wieder. Gut 200 Tage nach dem letzten Wurf öffnen am 15. April die Bäche im Kanton Uri. Der Winter wurde zum Wurftraining genutzt, die selbstgeknoteten Vorfächer sind optimiert und die Fliegenbox ist aufgefüllt und ergänzt. Doch auch in den Bergen hinterliess der Winter seine Spuren, und dies nicht allzu knapp! Noch liegt bis in tiefe Lagen Schnee. In Kombination mit den wärmer werdenden Temperaturen bedeutet dies Wasserstände jenseits des fischbaren, zumindest mit der Trockenfliege.

Da auch die Ausbildungen alles von uns abverlangen geht es gar nicht allzu lange, da steht schon die Maifliegenzeit vor der Tür. Wieder schwärmten Millionen, jedes Jahr ein einzigartiges Spektakel wenn sie wie ein Teppich die Wasseroberfläche säumen! Die Seeforellen ziehen in den Abendstunden ihre Bahnen und pflücken die Fliegen in einem Schwall von der Oberfläche.

Wir durften doch einige Fische anwerfen, ein paar konnten auch überlistet werden. Leider ist der Peak auch dieses Jahr schnell vorbei, doch der nächste Frühling kommt bestimmt...

Die Hechteröffnung lasse ich dieses Jahr unerwähnt, zu beschäftigt waren wir. Einmal schaffe ich es an den See, den Biss bei einem der ersten Würfen habe ich sowas von verhauen, es kann also nur besser werden :')

Und dann wäre da noch zu guter Letzt die Eröffnung der Bergseen am 1. Juni. Doch der Schnee hält sich hartnäckig, die meisten Seen liegen noch unter einer dicken Schnee- und Eisdecke. So wichen wir ab und zu in kleinere, nicht von der Schneeschmelze betroffene Gewässer im Unterland aus, mit mässigem Erfolg.

 

Nun haben wir fast Mitte Juni. Im Tal kehrt der Sommer ein, in den Bergen wird's Frühling. Die Saison kommt, v.a. für uns Trockenfliegenfischer, also erst richtig ins Rollen. Nachfolgend einige Frühlingsimpressionen aus der Umgebung, leider mit sehr wenig Fisch!