Mountain-Flyfishing goes to Lapland

Bericht : Raphael Zurfluh

Bilder: Fabio Wyrsch, Mathias Bissig, Fabio Sicher, Raphael Zurfluh

 

Schon seit geraumer Zeit liebäugelten wir mit einem grösseren Trip ins Ausland. Was uns wegen Arbeit und Ausbildung bisher verwehrt blieb, wurde im Juli 2013 endlich möglich. „Mountain-Flyfishing goes to…“ ging in die nächste Runde! Ziel der Reise war diesmal Finnland.  Genauer gesagt wollten wir den Norden des Landes unsicher machen, besser bekannt unter dem Namen Lappland.

Auf dem Weg in den Norden
Auf dem Weg in den Norden

So reisten wir am späten Montagabend an. Mit viel Vorfreude und Motivation im Gepäck zuerst von Zürich nach Helsinki und von dort an mit dem Mietauto nordwärts.  730km und 8 Stunden später erreichten wir Tornio, die finnisch-schwedische Grenzstadt an der Mündung des Tornioälvi, dem Grenzfluss. Unser Vorhaben war uns erstmals in Tornio über die Fischerei zu erkunden. Was einfach tönt, stellte sich in Wirklichkeit als wahre Knacknuss heraus. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Orten auf der Welt war die Fischerei in Finnland nicht einheitlich geregelt. Die Leute in Fischereiläden und Campingplätzen wussten nur sehr schlecht über die Fischereivorschriften oder Hotspots Bescheid (oder sie wollten es uns nicht sagen), jeder schickte uns zum Nächsten und so drehten wir uns im Kreis. Selbst im Tourismusbüro konnte man uns keine Auskunft geben.

Unsere erste Bleibe, inkl. Sauna
Unsere erste Bleibe, inkl. Sauna

So beschlossen wir kurzerhand, weiter in nördliche Richtung zu fahren. Immer dem Fluss entlang erreichten wir nach weiteren 3 Fahrtstunden Muonio. Was auf der Karte nach dichtbesiedelter Stadt aussah, entpuppte sich in Wirklichkeit als 2400 Seelengemeinde (1,3 Einwohner/km2(!)). Da es die grösste „Stadt“ im Umkreis von mehreren hundert Kilometern war, entschlossen wir uns hier für mindestens eine Nacht auszuruhen. Wobei „Nacht“ und „ausruhen“ genau erläutert werden müssen, denn die tiefstehende Mitternachtssonne und das laute Geschnarche anderer brachten einige von uns an den Rand des Wahnsinns, so habe ich es jedenfalls vernommenJ.

 

Mehr oder weniger ausgeruht klapperten wir wieder Läden, Campingplätze und Tourismusbüros ab. Doch auch hier das gleiche Bild wie am Vortag, keiner wusste genau Beischeid, jeder sagte etwas anderes. Die im Voraus bezahlte staatliche Fischereiabgabe für Finnland und die regionale für Lappland, welche aus unserer Sicht gereicht hätten um zu fischen, scheint hier oben niemand zu kennen. Jeder wollte uns ein anderes Patent verkaufen. In einem Café wurde unser Verdacht, dass die Fischerei in Finnland noch kaum geregelt war, bestätigt. Solange wir nicht in einem Lachsfluss fischten, würden unsere im Voraus bezahlten Patente reichen.

Beim Kartenstudium galt die Konzentration den Zuflüssen
Beim Kartenstudium galt die Konzentration den Zuflüssen
Schönes Flüsschen, leider ohne Fische
Schönes Flüsschen, leider ohne Fische

Und so entschlossen wir uns einfach mal loszufahren und Fischen zu gehen. Auf der Karte machten wir potenzielle Fischgewässer aus. So erreichten wir schon nach kurzer Fahrt ein vielversprechendes Flüsschen. Doch unsere Fliegen blieben unbeachtet, nur eine kleine Bachforelle konnte gelandet werden. Die einzigen Tiere, die aktiv zu fressen schienen, waren die Mücken, und zwar uns. Zwar wussten wir über das vermehrte Vorkommen der Mücke hier oben Bescheid, doch dass es gleich so krass ausfällt, hätten wir nicht gedacht.

Gute Kämpfer, die Skandinavischen Hechte
Gute Kämpfer, die Skandinavischen Hechte

Schnell weiter, doch das Bild blieb das gleiche: Schöne Flüsse ohne Fische, dafür mit Millionen von Mücken. Die Motivation sank von Tag zu Tag. Wir entschieden uns, uns vermehrt auf Zuflüsse von grossen Flüssen zu konzentrieren, in der Hoffnung, dass dort Fische eingestiegen sind. Und siehe da, erste Erfolge liessen sich verbuchen. In einem Fluss konnten wir unsere ersten kleinen Äschen fangen, in einem anderen fand man einen guten Bestand von Kleinhechten vor. Doch der Traum von der ü40 Äsche und des Meterhechts wurde nicht erfüllt.

Wann kommt der Biss?!
Wann kommt der Biss?!
Einer von tausenden...
Einer von tausenden...

Gegen Ende der ersten Woche erreichten wir Kilpisjärvi, ein Dorf nur 8 Kilometer südlich der Norwegischen Grenze. Die Karte zeigte viele kleine Seen in der näheren Umgebung, ob da vielleicht was geht? Schon der erste See direkt neben der Strasse sollte die Antwort liefern. Ringe, Ringe und nochmals Ringe! Endlich, nach sieben langen Tagen die ersten aktiven Fische. Die Frage, ob Forellen-, Äschen- oder doch schon Saiblingsee musste schnellstmöglich geklärt werden. Doch dann die Ernüchterung, Ignoranz pur gegenüber unseren Fliegen! Zu allem Unheil dazu kamen auch noch brütende und dementsprechend aggressive Möven, welche uns im wiederkehrenden Sturzflug und mit lautem Gekreische von Ihren Nestern fernhalten wollten. Also schnell die Seeseite wechseln und das Glück auf ein Neues herausfordern. Und dann…krumme Ruten!! Das aufgekommene Lüftchen nahm den Fischen die Scheu. Äschen und Bachforellen bis über 30cm schnappten sich unsere Trockenfliegen, eine wahre Freude! Am Abend konnten wir das erste Mal Fisch essen, nach einer Woche wohlbemerkt. Den Abend liessen wir dann am See ausklingen, wir nutzten das Steigen der Fische und die andauernde Helligkeit  zum Fischen bis 2.30 morgens.

Goldene Momente in Lappland
Goldene Momente in Lappland
Geduldiges Warten auf den Biss
Geduldiges Warten auf den Biss

Am nächsten Morgen packten wir das Nötigste in den Rucksack und wanderten zu einem nahegelegenen, namenlosen See auf einem kleinen Hochplateau. Wir konnten vereinzelt  fressende Fische ausmachen, doch schienen sie sich hauptsächlich in der Seemitte aufzuhalten. Ab und zu sah man aber auch Ringe in Wurfweite, unsere Chance also! Wir steckten unsere Ruten zusammen und montierten die Trockenfliegen. Und plötzlich ein Ring 10 Meter vom Ufer entfernt, gleich darauf noch einer. Der Fisch schwamm in unsere Richtung. Wir zögerten keine Sekunde und setzten die Fliege in die vermutete Bahn. Kaum war sie gelandet, sahen wir nur noch Kopf, dann Rücken- und Schwanzflosse. Eine Take wie aus dem Bilderbuch, der Anschlag sass perfekt und ein spannender Drill begann. Lange stand der Ausgang auf der Kippe, doch nach einer Gefühlten Ewigkeit durften wir eine wunderschöne, wildgewachsene Lappland-Bachforelle in den Händen halten. Was für ein Fisch! Wir wechselten den Standort auf die andere Seeseite, wo ein kleiner Bach den See speist. Immer wieder waren dort grosse Fische am fressen, die Rücken- und Schwanzflossen liessen dies jedenfalls vermuten. Auf eine kurze Beobachtungszeit folgten zwei unvergessliche Stunden, eine Trockenfliegenfischerei der Extraklasse! Fische, kaum einer unter 30cm, schnappten nach unseren Fliegen und liessen die Bremsen surren. An der 40cm Marke wurde gekratzt, überboten wurde sie aber nicht. Trotzdem: Ein See, den wir noch lange im Gedächtnis behalten werden. Zurück bei den Zelten hatten alle noch ein breites Grinsen im Gesicht.

Was für ein Brummer, toller Fisch!
Was für ein Brummer, toller Fisch!
Typisches Hechtgewässer
Typisches Hechtgewässer

Für die letzten paar Tage wechselten wir noch auf die schwedische Seite rüber. Wir trafen dort viele Seen mit gutem Hechtbestand an, der grosse Wurf wollte uns aber auch hier nicht gelingen. Auch wenn die grössten Hechte die 60cm nur knapp überschritten, war es eine spannende Fischerei. Die Hechte nahmen den Streamer sehr aggressiv, die Welle des knapp unter der Oberfläche heranbrausenden Jägers war schon von weitem zu sehen. Man wusste genau, jetzt kommt der Biss und schon krachte es!

Ja, die Hechte waren wirklich aggressiv!
Ja, die Hechte waren wirklich aggressiv!

Und das war es dann auch schon, denn die 1000km zurück nach Helsinki mussten auch noch gefahren werden.

Gelebt haben wir während den zwei Wochen eigentlich im Auto. So konnten wir spontan Regionen oder gezielt Flüsse und Seen anfahren. Übernachtet haben wir meist in Zelten, wobei wir darauf achteten, dass wir ca. jede dritte Nacht in einer Blockhütte übernachten konnten, um zu duschen, waschen, Fotoapparat-Akkus aufladen, richtig zu kochen und um die finnische Saunakultur auszuleben.

Müde und mit gefühlten 2000 Mückenstichen übersäht liessen wir im Flieger die zwei Wochen revuepassieren. Was war uns geblieben? Sicherlich die ganze Atmosphäre in Lappland. Die unendlichen Weiten, die tausenden von Seen und Flusssystemen, die Freiheit und die tollen Fische. Viele schöne Eindrücke nehmen wir mit. Und eines ist sicher, Lappland hat uns nicht zum letzten Mal gesehen!

Bye bye Lappland, bis zum nächsten Mal!
Bye bye Lappland, bis zum nächsten Mal!